Politik
: Wie wird sich mit grösster Wahrscheinlichkeit der Ukraine-Krieg
entwickeln? Entwickle verschiedene Szenarien und liste diese von
grösster nach kleinster Wahrscheinlichkeit!
Prognoseversuch mit relativer Wahrscheinlichkeit
unter den wichtigsten Einflussfaktoren (Frontverlauf,
Rüstungsproduktion, westliche Hilfe, innenpolitische Lage in
Russland/Ukraine, US-/EU-Politik) :
Stand heute (Dezember 2025):
- Russland macht wieder kleinere, aber reale Geländegewinne (u.a. Raum
Pokrowsk/Vovchansk). ([Reuters][1])
- Gleichzeitig laufen intensive, teils konkurrierende US-, EU- und
gemischt-westliche Friedensinitiativen; der US-Plan wird als eher
russlandfreundlich kritisiert, Europa arbeitet an Gegenvorschlägen.
([Tempo.co][2])
- Trump drängt öffentlich auf einen schnellen Deal, worüber Europa
sich sorgen macht („hässlicher Deal“). ([Reuters][3])
- Ukraine hängt weiterhin existenziell an westlicher militärischer und
finanzieller Hilfe. ([House of Commons Library][4])
Darauf aufbauend – ohne Anspruch auf Exaktheit
vermutete Szenarien:
1.
„Erzwungener Waffenstillstand mit eingefrorener Front“
Wahrscheinlichkeit: am höchsten
Kernidee:
- In den nächsten 1–2 Jahren wird ein Waffenstillstand erreicht, der
die aktuelle bzw. leicht verschobene Frontlinie im Wesentlichen
festschreibt.
- Russland behält einen großen Teil der jetzt besetzten Gebiete;
Ukraine bekommt Sicherheitsgarantien und langfristige West-Integration,
aber keinen vollständigen Gebiets-Rückgewinn.
Treiber:
- Russlands militärischer Druck plus
Ressourcen-/Munitionsvorteile.
- Ermüdung im Westen (Kosten, innenpolitische Konflikte), gleichzeitig
aber der Wunsch, die Ukraine nicht völlig „fallen zu lassen“.
- Starker Druck der USA (Trump-Administration) auf Kiew, einen Deal zu
akzeptieren, ggf. mit Sanktionslockerungen für Russland.
([Reuters][3])
Typische Eckpunkte dieses Szenarios:
- Waffenstillstandslinie streng überwacht (OSZE-ähnliche Mission,
evtl. „Koalition der Willigen“ in der Ukraine, wie diskutiert).
([Wikipedia][5])
- De-facto „eingefrorener Konflikt“ wie Korea/Zypern: kein echter
Frieden, aber stark reduzierte Kampfhandlungen.
- Langfristige Aufrüstung der Ukraine durch Europa, während Russland
den Status quo innenpolitisch als „Sieg“ verkauft.
2.
„Langer Abnutzungskrieg mit wechselnder Front, aber ohne klaren
Sieger“
Wahrscheinlichkeit: hoch, aber etwas geringer als Szenario
1
Kernidee:
- Friedenspläne scheitern; weder Russland noch Ukraine sind zu den
jeweiligen Minimalforderungen des anderen bereit.
- Der Krieg geht noch mehrere Jahre weiter, mit Phasen von Offensiven
und relativ statischer Front.
Treiber:
- Russland glaubt, mit Zeit und Masse zu gewinnen; innenpolitische
Repression hält Widerstand klein. ([Valisluureamet][6])
- Ukraine bekommt weiter genug westliche Hilfe, um nicht zu verlieren,
aber nicht genug, um entscheidend zu gewinnen. ([House of Commons
Library][4])
- US-Politik bleibt inkonsistent, Europa springt nur teilweise in die
Lücke.
Folgen:
- Hohe Verluste auf beiden Seiten, massive Erschöpfung von Bevölkerung
und Wirtschaft.
- Stetige Militarisierung Europas, neue Sicherheitsarchitektur, aber
ohne klares Ende des Krieges. ([Robert Lansing Institute][7])
- Erhöhtes Risiko von „Unfällen“ (Raketenfehlflug, Sabotage,
Cyberangriff mit Eskalationspotenzial), aber bewusste Vermeidung
direkter NATO–Russland-Konfrontation.
3. „Politisch
erzwungener Deal zulasten der Ukraine“
Wahrscheinlichkeit: mittelhoch
Kernidee:
- Unter starkem Druck v.a. der USA wird ein
Waffenstillstand/Friedensvertrag geschlossen, der russische
Gebietsgewinne relativ großzügig absichert.
- Europa ist mehrheitlich unzufrieden, kann sich aber nicht
durchsetzen. ([Anadolu Ajansı][8])
Typische Elemente:
- Ukraine muss Neutralität oder starke Einschränkungen in der
NATO-/EU-Integration akzeptieren. ([Wikipedia][5])
- Teilweise Aufhebung von Sanktionen gegen Russland; vielleicht ein
großer Energie- oder Getreidedeal.
- Formelle „Beendigung des Krieges“, aber hoher Frust in der
ukrainischen Gesellschaft und in Mittel-/Osteuropa → Innenpolitik in
Europa wird instabiler.
Warum nicht Szenario 1? Unterschied: In Szenario 3
kommt der Deal eher unter starkem externen Druck und relativ
schnell, während Szenario 1 eher das Ergebnis eines langen
Verschleißprozesses ist, bei dem alle halbwegs freiwillig nachgeben.
4.
„Schrittweiser militärischer Erfolg der Ukraine“
Wahrscheinlichkeit: deutlich geringer, aber nicht
Null
Kernidee:
- Der Westen erhöht die Unterstützung massiv (Munition,
Luftüberlegenheit, Raketenreichweite, evtl. Truppenpräsenz zur
Abschreckung), Russland kann nicht mehr Schritt halten. ([House of
Commons Library][4])
- Ukraine gewinnt schrittweise Territorium zurück, Russland zieht sich
auf frühere Linien zurück.
Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssten:
- Politischer Kurswechsel in den USA (z.B. Kongressdruck,
innenpolitischer Backlash gegen einen „schlechten Deal“ mit Putin).
- Deutlich größere und koordiniertere Rolle Europas
(Rüstungsproduktion, Geld, Ausbildung, evtl. Sicherheitsgarantien, die
Russland ernst nimmt). ([European External Action Service][9])
- Interne Krisen in Russland (Elitenkonflikt, ökonomischer Schock),
die die Durchhaltefähigkeit reduzieren. ([Valisluureamet][6])
Risiken:
- In dem Moment, wo Russland militärisch wirklich droht zu verlieren,
steigt das Eskalationsrisiko (massive Luftschläge, Infrastrukturkrieg,
Nukleardrohungen).
5. „Innerer
Umbruch in Russland beendet den Krieg“
Wahrscheinlichkeit: eher gering
Kernidee:
- Nicht das Schlachtfeld, sondern Moskau entscheidet: Machtkampf,
Palast-Putsch, gesundheitlicher Ausfall Putins o.Ä.
- Neue Führung sucht relativ schnell eine Deeskalation, um
sich innenpolitisch zu stabilisieren → Waffenstillstand plus
Verhandlungen.
Warum eher unwahrscheinlich (kurzfristig):
- Das Regime hat Repression und Kontrolle massiv ausgebaut, Opposition
ist stark geschwächt. ([Valisluureamet][6])
- Eliten fürchten einen Kontrollverlust à la Sowjetunion 1991 – hoher
Anreiz, zusammenzuhalten.
Aber: Langfristig (5–10 Jahre) steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass Kriegs-, Wirtschafts- und Demografie-Kosten
politische Instabilität erzeugen.
6. „Eskalation
zum direkten Russland–NATO-Konflikt“
Wahrscheinlichkeit: klein, aber nicht
vernachlässigbar
Pfade dorthin:
- Großer „Unfall“: Fehlgeleitete Rakete mit vielen Toten in einem
NATO-Staat, Missverständnis, Überreaktion.
- Bewusste Eskalation (z.B. russischer Angriff auf NATO-Lieferwege
oder Infrastruktur), wenn Moskau glaubt, dass ein begrenzter Schlag den
Westen einschüchtern könnte.
- Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine
(„Sicherheitsmission“), die dann in Kämpfe geraten.
Alle großen Akteure wissen, dass ein direkter Krieg mit NATO das
Risiko einer nuklearen Eskalation mit sich bringt. Genau deshalb
arbeiten fast alle Szenarien in Think-Tank-Analysen und offiziellen
Papieren mit der Annahme, dass man gerade so darunter bleibt.
([House of Commons Library][10])
7.
„Vollständiger ukrainischer Sieg mit Rückkehr zu den Grenzen von
1991“
Wahrscheinlichkeit: sehr gering (kurz- bis
mittelfristig)
Das ist das offizielle Ziel der ukrainischen Regierung. Politisch und
moralisch ist es nachvollziehbar. Militärisch und geopolitisch ist es
aber extrem schwer vorstellbar, dass Russland alle
Gewinne seit 2014 wieder aufgibt, ohne vorher eine massive interne Krise
zu durchlaufen oder auf drastische Eskalationsmittel zurückzugreifen.
([Wikipedia][5])
Langfristig (Dekaden-Skala) ist so etwas eher über politische
Transformationsprozesse als über reine militärische Mittel denkbar.
Warum
Prognosen hier grundsätzlich unsicher sind
Ein paar Schlüssel-„Unbekannte“, die einzelne Szenarien sehr schnell
hoch- oder runterziehen können:
- US-Innenpolitik: Bleibt Trump auf maximalem
Druckkurs für einen schnellen Deal, oder schwenkt er (unter
innen-/außenpolitischem Druck) doch wieder auf harte Linie gegen
Russland um? ([Reuters][3])
- Europäische Kohäsion: Hält die EU ihre Linie, oder
kommt es zur Spaltung zwischen „Friedensdeal jetzt“ und „Härte gegen
Russland“? ([European External Action Service][9])
- Russische Elite-Stabilität: Bleibt Putins System
stabil oder entstehen Bruchlinien? ([Valisluureamet][6])
- Rüstungs- und Munitionsproduktion: Wer kann seine
Armee schneller und nachhaltiger versorgen – Russland oder der Westen?
([House of Commons Library][4])
Links
1
- “Russia says it has captured Ukrainian towns of Pokrovsk,
Vovchansk”
2
-“Rivaling the US, Europe Puts Forward a New Peace Proposal for
Ukraine”
3
- “Trump’s push to end Ukraine war raises fears of ‘ugly deal’ for
Europe”
4
-“Military assistance to Ukraine: What has changed in 2025?”
5
- “Peace negotiations in the Russo-Ukrainian war
(2022–present)”
6
- “Russia’s domestic politics impacted by the escalating costs of the
war …”
7
- “War and Its Ripple Effects: How Russia’s Invasion of Ukraine is
…”
8
- “Germany warns against sidelining Ukraine, Europe in peace talks with
Russia”
9
- “EU Assistance to Ukraine (in U.S. Dollars) | EEAS”
10
- “Developments in Ukraine peace talks (April to June
2025)”